Stephan Hering-Hagenbeck, ehemaliger Geschäftsführer des Tierparks Hagenbeck in Hamburg und jetzt alleiniger Geschäftsführer des Tiergartens Schönbrunn in Wien, hat im Sommer 2010 eine Forschungsexpedition zur Inselgruppe Svalbard – so der norwegische Name Spitzbergens – begleitet. Auf seinen Reisen zu den entlegensten Orten unseres Planeten beschäftigt sich der 52-jährige promovierte Biologe mit der Anpassung von Tieren an ihren Lebensraum. Dabei nutzt er die Situation für herausragende Landschafts- und Tieraufnahmen. 2009 wurde er mit dem B.A.U.M Umweltpreis ausgezeichnet.

In seiner ersten Einzelausstellung erzählen die Aufnahmen von Hering-Hagenbeck von der archaischen Urgewalt der Landschaft, der Tierwelt und den Eingriffen des Menschen auf seiner Suche nach Rohstoffen – und der Ausbeutung der Natur. Riesige Gletscher, baumlose Steinwüsten ­farbig angehaucht durch Moose und Flechten – sehr steile und spitze Bergformationen, die der Insel ihren Namen gaben, aber auch stumpfe, „geschundene“ Berge sind auf seinen großformatigen Fotos zu sehen. Walrosse, Eisbären, und eine prächtige Vogelwelt beleben dieses Eiland.

Ein Schwerpunkt der Ausstellung ist die russische Enklave Barentsburg, das Gegenstück zur Hauptsiedlung Spitzbergens, dem „modernen“ Longyearbyen. Die Ähnlichkeit zu verlassenen Westernstädten drängt sich auf. Obwohl der Kohlebergbau vermutlich eher ein Alibi als ein profitables Unterfangen ist, hat Russland großes Interesse an einem Stützpunkt auf Spitzbergen.

Svalbard steht unter norwegischer Verwaltung und Gesetzgebung. Bürger aller Signatarstaaten des 1920 unterschriebenen und fünf Jahre später in Kraft getretenen Spitzbergen-Vertrages haben jedoch freien Zugang, Aufenthaltsrecht und das Recht zur wirtschaftlichen Nutzung.

Der Streit um Bodenrechte hat sich durch die Klimaerwärmung verschärft. Die Folgen des Klimawandels sind in der Arktis besonders drastisch. Das zurückweichende Meereis ermöglicht neue Handelsrouten und so verkürzte Transportzeiten. Die eisfreien Gewässer erlauben Zugang zu gewaltigen Bodenschätzen unter dem Meeresboden. So wird die Arktis zur politisch umkämpften Arena.

Ausstellung: 30.10.-30.11.2020